Royal Flush

Ist es denn schon einmal jemandem aufgefallen, daß kein Mann das stille Örtchen verlassen kann, ohne sich selbstdarstellend protzend hinterher zu loben. – Schön war’s! – Viel war’s! – Anstrengend war’s! – Und erleichternd war’s!

Pim - Mexikanisch 1Das bin ich gewöhnlich auch, wenn die ausführliche Beschreibung des letzten Abenteuers überstanden ist, man(n) dankbar für’s zuhören sich auf die Couch verkrümelt und glücklicherweise keine Antwort auf seine Detaildarstellungen erwartet. Manchmal frage ich mich, machen die sowas bei ihren offiziellen und beruflichen Sitzungen auch? Oder ist das etwas ganz speziell für das heimische Herdchen? Nach dem Motto, hier fühlt man sich wohl, hier läßt man sich geh’n.

Da sind sie alle gleich, unsere Herren. Wer jetzt nachschauen geht, findet meistens Brille und Deckel oben, das Fenster geschlossen und gegebenenfalls sogar die Tür nur angelehnt, damit auch der Rest des Hauses im Nachhinein noch an dem Odeur de Toilette teilhaben kann. Es gibt allerdings auch Exemplare, die das im Sitzen erledigt haben (zu erkennen, wenn nur der Deckel, aber nicht die Brille oben sind) und grosszügig mit der Spraydose gearbeitet haben. Dann, so pflegte mein Vater zu sagen, würde es eben so riechen, wie wenn des Försters Waldi in Försters Wäldchen was hinterlassen hat.

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Der kleine Tip für zwischendurch:

Hat man in Bad oder Toilette diese spezifischen Gerüche hinterlassen, die man eigentlich seinem Nachfolger nicht zumuten mochte – dann kann man natürlich eines dieser vielen Sprühmittelchen benutzen.
Man kann es aber auch machen wie meine Schwägerin. Die hat immer ein paar Streichholzer im Bad liegen. Und wenn sich so ein Geruch bei ihrer Großarbeit eingeschlichen hat, dann zündet sie verstohlen so ein Streichhölzchen an. Der abgebrannte Schwefel frißt quasi den Gestank sofort auf und beim direkten Nachfolger riecht’s nur noch nach abgebranntem Streichholz. Und schon kurz darauf riecht’s gar nicht mehr.
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Bei uns haben selbst Tischgespräche die Angewohnheit früher oder später bei diesem Thema zu enden – und wenn es sich nur um „Chicken Ass“ handelt. Lieblingsspeise von Boss und Klein-Boss. Wann immer ein Hühnchen, Gockel, halber Hahn oder anderer Vogel auf dem Tisch landet, stürzen sich alle beide auf dessen hinteres Ende und suchen den Pürzel.

Natürlich nicht ohne ausführliche Beschreibungen. Wir können nahezu sicher sein, daß das Gespräch währenddessen, spätestens jedoch hinterher, einschwenkt auf die derzeit fäkal-prekäre Situation der Pürzel-Esser respektive Erlebnisse und Ergebnisse mit Freunden, Bekannten auf privaten oder öffentlichen WCs beziehungsweise hinter Bäumen. Man sollte gar nicht glauben, wer da schon alles neben wem mal in der Keramiksammlung gestanden hat – und wer wen beim Ausschütteln beobachtet hat – und wer was dabei sagte. Da Boss viel reist, kann er zu diesem Thema viel beitragen. Auch ein Hippie muss mal Pippie.

Irgendwann fällt es den Herren dann doch auf, daß Mum ob des Themas etwas merkwürdig aus der Wäsche guckt. „Oops!“ – sagt der grosse Boss dann. „Du hast angefangen!“ – sagt der kleine Boss. Und dann geht das Geplänkele darüber los, anstatt sich endlich auf ein anderes Thema zu konzentrieren.

Wer genau zuhört, kann eine Fülle zusätzlicher Informationen erhalten über den derzeitigen Gesundheitszustand, den derzeitigen Lesestoff, Qualität und Quantität – wird alles ausdrücklich erörtert. So als Mutter und Hausfrau lernt man, dem ganzen stillschweigend zuzuhören und seine ganz eigenen Schlüsse darauf zu ziehen.  – Musste ganz schön drücken heute. (Aha! Hat Verstopfung.) –  Mindestens ein halbes Pfund, sag ich Dir! (War länger nicht gewesen.) – War heute schon das dritte Mal. (Kriegt vielleicht in Kürze Diarrhoe) – Wo ist eigentlich die Herald Tribune? (Will gleich gehen.)

Spätestens nach all diesem Lästern ist es jedem klar – dieser Abschnitt wurde von einer Frau geschrieben. Meine Damen – ihr seid auch nicht besser. Männer erzählen vom Klo, Frauen über ihre Krankheiten.

(Illustration: Remco Schakelaar, Aus: Koppoter Pim – Studentenkochbuch)

 

So und jetzt noch das Rezept für  CHICKEN-ASS

Ein Hühnchen oder Hähnchen zerteilen. Teile auf ein Backblech legen. Ich selbst ziehe es vor, wenn der Gockel dabei nackt ist, meine Herren mögen die gekrustete Haut. Also gibt es bei uns die Hälfte nackt und andere Hälfte mit Haut.
Kartoffeln schälen und in Pommes-Fritz ähnlicheStücke schneiden. Diese zwischen den Hähnchenteilen auf dem Backblech verteilen.
Alles salzen und pfeffern und mit (wenn möglich frischem) Rosmarin bestreuen. Etwas Olivenöl darübergiessen und ab den Backofen. Bei 180 bis 200 Grad ungefähr 1 Stunde.
Hierzu schmeckt ein frischer Salat.

Mehr von derartigen Geschichten und Rezepten gibt es hier:

Zitronen 2 Auflage BLAU - RGB - Kopie

 

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