GELESEN UND FÜR GUT BEFUNDEN: Jürgen Luh: Der Grosse – Friedrich II von Preussen

Nachdem ich kürzlich in Potsdam war und mir eine Führung durch den Park Sans, Souci (man beachte das Komma, über das ganze Bücher geschrieben worden sind) haben angedeihen lassen, kam ich zum ersten Mal etwas näher mit dem Alten Fritz in Berührung.

Er soll, so der Fremdenführer, gar nicht so gewesen sein, wie ich mir das immer vorstellte. Wer auch immer diese Vorstellung geprägt hat, ob Elternhaus oder Schule. Jedenfalls war der gute Friedrich II keineswegs der gutherzige, gebildete und humanistische König, als der er sich der Öffentlichkeit so gern präsentierte. Vielmehr handelte es sich wohl um den ersten königlichen Meister der Public Relation am Hofe von Berlin.

FritzWer dann, wie ich, mehr über Friedrich und seine Philosophenrunde wissen will, dem sei dieses Buch anbefohlen:
Friedrich der Grosse faszinierte die Deutschen schon immer. Über seine Kriege, über Werk und Wirkung des kunstsinnigen Preussenkönigs wurde schon viel geschrieben. Jürgen Luh aber zeigt auf frische und ungewöhnliche Art, wie Friedrich dachte und wofür er lebte. Der König wollte unbedingt als „der Grosse“in die Geschichte eingehen. Die Quellen, die uns der Philosoph of dem Thron hinterlassen hat, offenbaren einen Menschen mit grossen Talenten – und ebenso grossen Schwächen.

Soviel zum Covertext.  Wir lernen hier einen gänzlich neuen König kennen, der alle Facetten der menschlichen Höhen und Niederungen erklimmt. Und dabei immer eines bleibt: ein Egoist. Trotzdem sollte man es nicht nur als Negativ-Bild verstehen. Das Leben des grossen Friedrich war schliesslich wirklich von Jugend an kein einfaches gewesen – eigentlich waren es die idealen Voraussetzungen, um einen psychopatischen Herrscher heranwachsen zu lassen. Was er ja dann folgens Luh auch irgendwie geworden ist. Ich finde, wenn man es wirklich durchdenkt, dann kommt hier zwar das Standbild des liebevoll „Alter Fritz“ genannten Königs in Wanken, trotzdem bleibt ein Respekt vor seinen Leistungen, dem was er für Preussen und auch für die Menschen geschaffen hat, trotz der Tatsache, dass er selbst ein einsamer und verbitterter Mann gewesen sein muss.

Ich habe es sehr genossen, das Buch zu lesen. Es handelt sich keineswegs um einen historischen Roman, sondern um ein Sachbuch. Trotzdem ist es leicht zu lesen und ausgesprochen spannend geschrieben. So macht der Geschichtsunterricht Spass.

Übrigens ist der Park von Sanssouci sehr interessant. Unheimlich viele Büsten, von denen viele (unter anderem auch der Alte Fritz auf seinem Pferde) noch ausgetauscht werden müssen. Die alten Steine sind so angegriffen, dass eine Restauration nicht möglich ist und die Statuen nach und nach ersetzt werden. Die neuen erkennt man an ihrem herrlichen Weiss. Die noch originalen sind dunkler schwärzlich, von den Ausdünstungen der Jahrhunderte und Vögel belastet. Nichtsdestoweniger ist ein Spaziergang beeindruckend. Es gäbe mehr Menschen auf den Dächern als Einwohner in der Stadt, hatte man zu Fritzens Zeiten gesagt. Vermutlich hat es sogar gestimmt, denn die Figuren und Statuen auf den Balkonen, Dächern, Simsen, Brüstungen und Büsten sind in der Tat unzählig.

Aber schaut es Euch doch selbst einmal an:

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