Vom 3. Griechisch-Deutschen Lesefestival in Kreta: Die verspätete Kolonne von Vougar Aslanov

 

Aslanov1Ein verdammt gutes Buch.

Ich habe es auf dem 3. Griechisch-Deutschen Lesefestival in Paleochora vom Autor erhalten und dachte erst: ach Mensch, schon wieder eine Kriegsgeschichte. Dementsprechend habe ich auch ein bisschen lustlos angefangen zu lesen. Aber dieses Buch hat mich dann voll gepackt.

Die Geschichte des eigentlich humanistischen Studenten Asisow, ehrvoll und moralisch, der durch die Praktiken der Armee beinahe zu einem Monster mutiert, sich von allem abwendet, was er einstmals als richtig oder falsch empfunden hat und die martialische Art und Weise, unter der er einst selbst gelitten hat, nun auch den neuen Rekruten angedeihen lässt.

Ein Soldatenbund – wie wird er doch immer als Gemeinschaft der Männer beworben, wo das Abenteuer und die wirkliche Freundschaft nur auf einen wartet! – wird hier dargestellt als eine paranoide Gesellschaft, in der jeder einzelne nur darauf aus ist, seine eigene Macht – und sei sie auch noch so klein – bis zur Neige auszukosten. Und wenn wir manchmal in den Zeitungen lesen, wie mal wieder etwas aus der Hand gelaufen ist auf einem Stützpunkt, dann finden wir in diesem Buch die psychologische Vorlage und Hintergründe, wie so etwas passieren kann.

Soldat Esrari hat weniger Schwierigkeiten, sich mit seiner neuen Soldatenrolle zurechtzufinden, aber er kommt an die Front und darf dort hautnah erleben, wie die Mujaheddin (seinerzeit von den USA unterstützt) mit Gefangenen und Menschen umgehen. Ebenfalls eine psychologische Studie für sich.

Ja, natürlich beschreibt es ein Geschehen in der damaligen Sowjetarmee – übrigens hat es mich dazu animiert, mir noch einmal die Geschichte des sowjetischen Afghanistan-Einsatzes zu Gemüte zu führen, ich wusste nämlich viel zu wenig darüber – nichtsdestotrotz dürftendie Gefühle der Soldaten ob des Umgangs mit ihnen, mit ihren Wertvorstellung und ihrem Menschsein auch in anderen Armeen der Welt denen der Protagonisten dieses Buches ähnlich sein.

Am Ende des Buches fragt man sich: Was ist ein Mensch eigentlich noch wert als Soldat oder gar als Kriegsgefangener? Wie fühlt er sich? Wie sieht er sich und seine Umwelt? Wie verarbeitet er, dass er alle seine Prinzipien über den Haufen geworfen hat? Sieht er sich noch selbst als Menschen?

Ein sehr interessantes Buch über das Heldenleben, gerade in einer Zeit, wo das Säbelrasseln wieder zunimmt und diese Helden das Alltagsbild der täglichen Nachrichten bestimmen.

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