Auch das Existieren muss man lernen – Italo Calvino

 

 

14063947_990463634386121_8937750783562350732_nEin Glückgriff auf einem Second-Hand Markt. Von diesem Autoren hatte ich noch nicht gehört oder gelesen. Der Umschlag versprach interessant zu sein. Und als Freund des  Surrealistischen kam es mir gerade recht.
Zwei etwas längere Kurzgeschichten sind in einem Band zusammengefasst. Wer weiss, ob ich gekauft hätte, hätte es nicht auf dem Grabbeltisch gelesen.
Auf alle Fälle war es den Kauf wert und ich werde sicherlich noch weitere Calvinos lesen.

Der Ritter, den es nicht gab
Ein Ritter im Herr Karls des Grossen, der aus nicht mehr besteht als einer  hohlen Rüstung. Pedantisch und ungeliebt – da pedantisch. Während des Schlachtengetümmels oder des Wartens auf selbiges trifft Ritter Agilulf auf nicht minder interessante Charaktere, den alten Charlemagne mit eingeschlossen. Sie alle kämpfen um eins: die Berechtigung ihrer Existenz. Um diese zu finden – oder aber das, was sie dafür halten –  nehmen sie die grössten Mühsale und Plagen auf sich um am Ende herauszufinden. Man lebt nicht einfach nur so – auch das Existieren muss gelernt sein.
Auf dem Weg dahin passiert so allerhand mit etwas verrückten Knappen, einer anerkannten Ritterin, einem Ritterrächer und natürlich dem Ritter, den es nicht gab.

Der geteilte Visconte
Ein Visconte wird während einer Schlacht durch eine Kanonenkugel genau in die Hälfte gespalten. Die rechte Hälfte kommt nach Hause zurück und entpuppt sich als ausschliesslich böse. Brutal, gemein, hinterhältig – alles, was man sich vorstellen kann – sucht er seine Landbevölkerung heim, die unter ihm natürlich stöhnt und sich gute Zeiten herbeisehnt. Dann trifft auch die linke Hälfte des Visconte ein – die Gute. Er ist mitleidig, hilfbereit, gut, verzeihend – alle schönen Eigenschaften dieser Welt. Am Anfang sehr willkommen, stellt die Bevölkerung recht schnell fest, dass auch Tugend pur nicht zum Aushalten ist.
Für die Leute glücklicherweise wollen beide Hälften dasselbe Mädchen zur Frau … und die Intrigen beginnen.

 

Italo Calvino wurde 1923 in Santiago de las Vegas in Kuba geboren. 1925 kehrte die Familie zurück nach Italien. Er studierte zunächst an der agrarwissen­schaftlichen Fakultät der Universität Turin, aber der Weltkrieg kam dazwischen und Calvino schloss sich der Resistenza an. Nach der Befreiung trat er der kommunistischen Partei. Gleichzeitig begann er ein Litarturstudium, was er auch abschloss. Calvino starb 1985 an einer Gehirnbluting während einer Vortragsreihe in den USA.
„Calvino zählt zu den bedeutenden italienischen Autoren der Nachkriegszeit. Viele von Calvinos Büchern sind heute in Italien Volksgut und Schullektüre. Indem er den literarischen Moden keine Beachtung schenkte, überwand er die Grenzen des italienischen Neorealismus. Das Werk Calvinos entzieht sich einer einfachen Zuordnung. Obwohl es Züge der phantastischen Literatur und auch märchenhafte Züge trägt, greift eine diesbezügliche einseitige Zu­ord­nung zu kurz. Calvino hat eine eigene Technik literarischer Reflexivität entwickelt. So wird die Literatur selbst immer wieder zum Thema in seinen Romanen. Auch metafiktionale Züge sind zu erkennen, die Calvino als einen bedeutenden Vertreter des europäischen postmodernen Romans erscheinen lassen. Italo Calvino gehörte der Gruppe Oulipo an.“  (http://www.mein-italien.info/literatur/calvino.htm – 16.08.2016

Und wer auf Bücher von Calvino stösst, schickt mit bitte eine Nachricht.

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