In einem Rutsch gelesen: Die Insel der besonderen Kinder

untitledIch habe es mir allerdings im englischen Original zu Gemüte geführt: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children”. Stimmt, ich habe es in einem Rutsch durchgelesen  – ich hatte allerdings auch eine mehrstündige Hin- und Rückfahrt nach Hannover im Zug und draussen rauschte lediglich eine nasskalte Regenlandschaft an mir vorrüber.

Wie auch immer: es war schon spannend, das Buch. Wenn ich auch keinesfalls der Meinung von CNN bin, dass es sich hier um den nächsten Harry Potter handeln könnte. Und ich bin ein richtiger Potter-Fan.

Es war eigentlich alles dabei für einen Phantasten und Science Fiction Freund: eine Heimleiterin, die sich in einen Vogel verwandeln kann, ein Zeitloop, aus dem es (allerdings nicht für jeden und auf jeden Fall) ein Entrinnen gibt, beinahe hundertjährige Kinder, die über die Wiesen tollen und natürlich wirklich eklige Monster als Gegenspieler. Nichts fehlte.

Ransom Riggs, der Autor, hat gekonnt Photos von Annodazumals in das Buch eingebunden, die seine Geschichte unterstreichen. Eine herrliche Idee, alte Fotos zu nehmen und daraus eine fantasievolle Geschichte zu stricken. Gekonnt gemacht. Auch spannend geschrieben.

Schade fand ich es allerdings, dass die Geschichte nach einer monströsen Schlacht “Kinder gegen Ungeheuer” ein abruptes Ende findet. Eigentlich wäre es noch gar nicht soweit gewesen. Ich habe sogar noch ein paar Seiten weitergeblättert in der Hoffnung, das richtige Ende des Buches steht nach den Filmphotos. War aber nicht so. Es hörte wirklich irgendwie plötzlich auf und liess die einzelnen Erzählstränge lose herumflattern. Naja, der Autor hat ja auch noch Folgeromane geschrieben. Also das hat die Rowland mit dem Harry besser hingekriegt. Da war jedes Buch für sich eine abgeschlossene Geschichte und man hat sich trotzdem auf den nächsten Band gefreut.

Fazit: prima für eine langweilige Zugfahrt. Aber den zweiten Band werde ich mir nicht mehr kaufen.

Meine Meinung: Der ertrunkene See von Thomas Pregel

 

Der ertrunkene SeeDie Ente auf dem Cover hatte durchaus etwas  Niedliches. Sie erinnerte mich an meine Badewannenkindheit. Wie würde sich das wohl mit einem umweltkritischen Thema verbinden? Ich war neugierig.

Durch die ersten dreissig Seiten musste ich mich echt durchbeissen. Keine einzige wörtliche Rede. Beschreibungen, Beschreibungen, Beschreibungen. Dann jedoch packte mich die Erzählung.

Die  ländliche, beinahe hintergestrige,  Idylle einer Dorfgemeinschaft wird brutal attackiert mit Bulldozern, Baukränen, Zementmischern, Lastwagen, die alle nur ein Ziel haben: das Bucheichental zur Gänze zur zerstören und mittels der Errichtung einer Talsperre zu fluten. Die Anwohner reagieren unterschiedlich. Von Amokläufern bis zu sturen, ausharrenden Ignoranten ist alles vorhanden.

In wortgewandten Beschreibungen zieht uns der Autor in eine Welt, in der sich jeder dem sogenannten Gemeinwohl, hier in Form des Staudamms einherkommend, unterordnet. Eine Dorfgemeinschaft zerbricht. Das Misstrauen hält Einzug. Jeder Widerstand ist zwecklos. Was auch immer sich die Dorfbewohner einfallen lassen, die Obrigkeit unterstützt die Eindringlinge.

Es ist ein Buch, das nachdenklich macht. Wenn ich mir statt des Dorfes die Welt vorstelle, statt des Staudamms die heutige Gnadenlosigkeit, mit der über Mensch und Natur hinweggegangen wird zum Wohle von Unternehmen und Profiten, dann … ja dann finde ich mich zu meinem Erschrecken in der Welt wieder, in der wir wirklich leben. Thomas Pregel hat es gekonnt in  Szene gesetzt.

Im Nachhinein finde ich es bewunderswert, dass der Autor diese Intensität schaffen konnte, ohne die Protagonisten sprechen zu lassen. Die Beschreibungen sind so detailverliebt, dass man glaubt dortgewesen zu sein, es miterlebt zu haben und am Ende wie die Dorfbewohner verzweifelt feststellt, dass es gegen den zerstörerischen Kommerz keine andere Waffe gibt als den Wahnsinn.

Und die Ente? Nun, die paddelt jetzt hoffentlich auf dem Stausee als Zeichen, dass die Natur am Ende auch dann noch überlebt, wenn alles menschliche längst ertrunken ist.

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Mit Genuss gelesen: Die Abenteuer von Adele und ihren himmlischen Tanten

Die kleine Adele ist wirklich ein ungewöhnlicher Wonneproppen. Mit ihren Schutzgeistern führt sie Unterhaltungen, einem alten Kauz bringt sie das Herz zum Überlaufen und dann ratscht sie auch noch in eine Sache hinein, bei der Kinder eigentlich gar nichts zu suchen haben.

Es ist ein Kinderbuch der eher ungewöhnlichen Sorte. Natürlich gibt es viele Kindergeschichten, in denen über Schutzengel berichtet wird. Aber diese hier ist ungewöhnlich. Hier sind die Schutzengel weltoffen und menschlich, streiten sich, vertragen sich und haben auch als Engel im Jenseits noch ihr eigenes Päckchen zu tragen.

Soll man mit Kindern über das Jenseits reden? Warum nicht – auch Kinder fragen sich, was passiert, wenn jemand stirbt. Und dieses Buch gibt ihnen eine fröhliche, naturverbundene Vorstellung vom Leben im Himmel, die für Kinder akzeptabel ist und sicherlich (in bestimmten Situationen) auch tröstlich.

Eine gelungene Mischung, bei der die Spannung und das Abenteuer nicht zu kurz kommen und gleichzeitig ein nicht alltäglicher Einblick in eine himmlische Angelegenheit vermittelt wird.

Das Buch ist erschienen im Verlag Begegnungen.